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Diagnose Brustkrebs: Ein Gespräch unter Freundinnen


Zoe* ist 36 als sie zum zweiten Mal innert zwei Jahren an Brustkrebs erkrankt. Beim ersten Mal war es ein Schock, beim zweiten Mal einfach nur noch Scheisse. Ihre Geschichte ist trotzdem kein Leidensweg, sondern eine Kampfansage.


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Zoe* ist 36 Jahre alt, engagierte Projektleiterin, entspannte Mutter – und für mich vor allem eine gute Freundin. Kennengelernt haben wir uns vor über zehn Jahren im Geschichtsstudiums. Die gemeinsame Verachtung für die Professorin schweisste schnell zusammen.


Zahlreich durchgetanzte Nächte später mit dem Master-Abschluss in der Tasche und angekommen im vermeintlichen Erwachsenenleben kommt die Schockdiagnose: Brustkrebs. Damit ist Zoe eine von rund 6’500 Frauen, die in der Schweiz jährlich daran erkranken. Damals war sie 33 Jahre alt. Nach einer Operation und rund einem halben Jahr Chemotherapie gilt sie als krebsfrei – für den Moment. Der Krebs meldet sich im April 2023 nach nicht einmal zwei Jahren zurück. Was jetzt? Wie damit umgehen als Betroffene, als Angehörige:r? Ein Gespräch unter Freundinnen.


Ein Gespräch unter Freundinnen


Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, als du mich bei der ersten Diagnose angerufen hast. Du warst gefasst, optimistisch und sehr sachlich. Woran ich mich jedoch nicht mehr erinnere: wie hast du es überhaupt bemerkt?

Es war im Juni 2020. Ich stand unter der Dusche und habe zufälligerweise beim Einseifen eine Verhärtung ertastet. Das kann auch sonst mal auftreten, wenn man beispielsweise die Periode hat. Es hat sich jedoch intuitiv komisch angefühlt. Hinzu kam, dass der Tumor fassbar war. Sprich es war nicht einfach eine grosse, harte Stelle, sondern ich konnte den Knoten sozusagen in die Hand nehmen. Ein klassisches Anzeichen für einen Tumor, wie ich später erfahren habe.


Was ist für dich der schwierigste Teil der Krankheit?

Beim ersten Mal war es sicherlich diese grosse Ungewissheit. Damals ging alles Schlag auf Schlag. Drei Wochen nach der Diagnose begann die Chemotherapie. Ich musste von einem auf den anderen Tag mein Leben umstellen: Job unterbrechen, Kinderbetreuung für meinen dreijährigen Sohn arrangieren, und dass alles im Wissen, dass der Ausgang ungewiss ist.



Drei Wochen nach der Diagnose begann die Chemotherapie. Ich musste von einem auf den anderen Tag mein Leben umstellen.


Und beim zweiten Mal?

Die Akzeptanz war für mich im ersten Moment ein grosses Thema. Warum ist der Krebs zurückgekommen? Das hat viel Verunsicherung ausgelöst. Auch haargenau zu wissen, welche Nebenwirkungen auf mich zukommen, und dass ich mein Leben in einer gewissen Weise wieder «on hold» stellen muss, fand ich schwierig. Beim zweiten Mal bin ich jedoch definitiv nicht mehr so naiv an die Sache herangegangen.


Wie meinst du das?

Bei der ersten Krebsbehandlung habe ich vieles unkritisch über mich ergehen lassen. Es ging alles so schnell. Beim zweiten Mal habe ich das Handeln meiner Ärztinnen und Ärzte stärker hinterfragt. Sicherlich auch, weil mein Fall sehr ungewöhnlich war. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tumor zweimal an derselben Brust auftritt, ist sehr gering. Insbesondere, da meine Brust bereits beim ersten Mal operativ entfernt wurde.


Bei einer Krebstherapie treten diverse Nebenwirkungen auf. Die Augenscheinlichste ist der Haarverlust. Du bist alles andere als eitel und hast deinen «kahlen Kopf» stets mit erhobenen Haupt getragen.

Die Kopfhaare sind und waren mir persönlich ziemlich egal, das stimmt. Die Augenbrauen und die Wimpern zu verlieren, fand ich hingegen wirklich uncool. Die Krankheit ist dir dadurch ins Gesicht geschrieben. Eine weitere unschöne Auswirkung brachte die Kortisonbehandlung mit sich. Ich war aufgedunsen und habe ein paar Kilos zugelegt. Dadurch, gekoppelt mit all den anderen Nebenwirkungen, habe ich mich nicht mehr wohl in meinem Körper gefühlt.


Ist da Sex noch ein Thema? Nicht nur weil du dich unwohl in deinem Körper gefühlt hast, sondern auch mit all den Beschwerden und Sorgen.

Am Anfang einer Chemo ist man in einer Bubble, da verschwendet man keine Gedanken an Sex. Ich litt unter heftigen Gliederschmerzen, vergleichbar mit einer starken Grippe. Wenn mich jemand anfasste, tat mir das weh. Bei jungen Frauen kommt hinzu, dass man zum Schutz der Gebärmutter hormonell eine temporäre Menopause einleitet. Das kann die typischen Symptome einer Menopause hervorrufen, wie zum Beispiel Trockenheit. Dementsprechend war mein sexuelles Bedürfnis gleich Null (lacht).


Du bist auch Mutter. Wie sagt man seinem Kind, dass man Krebs hat?

Bei der ersten Krebserkrankung war mein Sohn drei Jahre alt. Damals haben wir mit ihm nicht im Detail darüber gesprochen. Er wusste natürlich, dass ich krank war, aber ich hatte das Gefühl, dass es ihn weniger tangiert hat. Beim zweiten Mal, da war er fünf, war es deutlich schwieriger. Er hat mehr mitbekommen, mehr verstanden. Es war nicht einfach für ihn, teilweise hat er sich von mir abgewandt. Besonders mein haarloser Kopf hat ihm zu schaffen gemacht. Ich habe das Gefühl, das rührt auch daher, weil er sich mit seinen Altersgenoss:innen verglichen hat. Deren Mütter haben alle Haare.



Der kahle Kopf hat meinem Sohn zu schaffen gemacht. Es gab Momente, da hat er sich von mir abgewandt.


Was ist dein Ratschlag an betroffene Eltern?

Das Alter ist bestimmt entscheidend. Im Falle meines fünfjährigen Sohnes war es uns wichtig, transparent zu kommunizieren. Kinder sind ja nicht dumm, sie wissen in irgendeiner Form, was Sache ist. Ein stabiles Umfeld hilft enorm. Wir haben darauf geachtet, dass seine gewohnte Routine uneingeschränkt weiterläuft. Und eine Prise Humor hat uns als Familie auch nicht geschadet.


Im April 2023 die zweite Operation, im Sommer die dreimonatige Chemotherapie, dann fünf Wochen Bestrahlung und jetzt steht bis Weihnachten noch eine Immuntherapie an. Ein straffes Programm. Trotzdem hast du bei beiden Erkrankungen in einem reduzierten Pensum beinahe durchgehend gearbeitet. Welche Rolle hat der Job für dich gespielt?

Der Job hat für mich die Brücke zur Normalität dargestellt. Gleichzeitig gab es aber auch anstrengende Phasen. Rückblickend hätte ich wohl besser etwas weniger gearbeitet, da ich doch von der Chemo bis hin zur Bestrahlung am Ende ziemlich erschöpft war. Dennoch die Ablenkung hat mir gutgetan.


Dein Optimismus ist beinahe unerschütterlich. Das hat sicherlich auch mit deiner Persönlichkeit zu tun, aber ich bin doch immer wieder von dieser Stärke und deiner Lebensfreude beeindruckt…

Ich bin ein positiver Mensch. Das hilft. Auch gab es in meiner Familie bereits vorher zahlreiche Krebsfälle. Viele Menschen setzen Krebs mit einem Todesurteil gleich. Diese Angst hat mich nie gelähmt. Durch meine Familiengeschichte habe ich hautnah miterlebt, dass man Krebs bekämpfen kann.


Hast du praktische Tipps für Erkrankte?

Bei meiner ersten Erkrankung war ich der Situation ausgeliefert, weil ich schlicht keine Ahnung hatte. Durch die zweite Diagnose habe ich gelernt stärker auf mein Bauchgefühl zu hören. Das können banale Dinge sein, wie zum Beispiel eine Zweitmeinung einzuholen, wenn man dem vorgeschlagenen Behandlungsplan skeptisch gegenübersteht.



Viele Menschen setzen Krebs mit einem Todesurteil gleich. Diese Angst hat mich nie gelähmt. Durch meine Familiengeschichte habe ich hautnah miterlebt, dass man Krebs bekämpfen kann.


Wie kann man in einer solchen Situation als Angehörige:r eine Stütze sein?

Das ist sicherlich individuell. Mir persönlich hat es geholfen, wenn meine Freunde und die Familie mir zu spüren gegeben haben, dass sie an mich denken und mit mir Zeit verbracht haben. Ohne einen geregelten Tagesablauf fühlt man sich schnell einsam. Deshalb Kaffee trinken und spazieren gehen, auch mal über «Belangloses» reden, das alles hat eine Normalität hergestellt, die ich in meinem Leben nicht mehr hatte.


Auch für enge Angehörige ist das eine schwierige Zeit. Was rätst du ihnen?

Ich würde ihnen definitiv raten, sich selbst auch Unterstützung zu besorgen. Man steckt mit drin, darf sich aber nicht «beklagen», gleichwohl geht es einem ja selbst nicht gut. Und auch einfach mal Nein sagen, muss drin liegen.


Wie fest haben die Erkrankungen deine Sicht auf das Leben verändert?

Nach der ersten Erkrankung dachte ich «been there, done that», jetzt ist es vorbei. Durch meine zweite Erkrankung habe ich das Bedürfnis mein Leben genauer zu hinterfragen: lebt man das Leben, das man sich wünscht; habe ich ein Umfeld, das mir guttut; mache ich das, was mich glücklich macht?


* Name von der Redaktion geändert



Der Oktober ist pink: Prävention & Früherkennung von Brustkrebs

Mehr Bewusstsein schaffen für die Prävention, Erforschung und Behandlung von Brustkrebs – dafür steht der Oktober. Ein wichtiges Anliegen, denn Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Schweizweit erkranken pro Jahr rund 6'500 Frauen daran. Besonders risikogefährdet sind Frauen ab 50. Doch rund ein Viertel aller Betroffenen ist zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 50 Jahre alt. Prävention und Früherkennung sind das A&O.

Hier kannst du mehr darüber erfahren: Prävention und Früherkennung – was kann ich tun?



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